Die Enteignung unseres Lebens durchbrechen – gesellschaftlichen Reichtum aneignen!

Wir haben allen Grund, wütend zu sein: Wir müssen immer mehr arbeiten und verdienen immer weniger. Der Kapitalismus raubt uns die Möglichkeiten für ein gutes Leben. „Gesicherte“ Arbeitsverhältnisse werden immer rarer; Arbeit zu Niedriglöhnen,Leiharbeit, Minijobs, befristete Arbeit und Scheinselbständigkeit boomen. Manche von uns sind arm, obwohl sie mehrere Jobs haben. Dazu kommt, vor allem für die Frauen unter uns, die zusätzliche Belastung durch Hausarbeit und Kinderbetreuung, die aus patriarchaler Gesellschaftsstruktur und allgegenwärtigen Sexismus resultiert. „Wer nicht arbeitet, dem soll es nicht gut gehen“, so lautet die brutale Logik der neuen Sozialpolitik. Sie zwingt uns, Arbeit auch zu den miserabelsten Bedingungen anzunehmen. Ein ungesicherter Aufenthaltsstatus verschärft diesen Zwang, da ohne dieArbeit die Ausweisung aus Deutschland droht – gleichzeitig haben wir es als nicht-Deutsche schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden. Nicht nur die Arbeit wird unsicherer, sondern unsere ganze Existenz. Wir sehen nicht ein, warum wir für Unternehmensprofite auf ein gutes Leben verzichten sollen. Die Arbeitslosen unter uns erleben die ständigen Verschärfungen der Hartz-IV-Regelungen. Wenn wir nicht arbeiten wollen oder können, wird uns die Lebensgrundlage entzogen, ständig wird gegen uns gehetzt.

Ob wir einen Arbeitsplatz haben oder ob unsere Arbeitskraft gerade überflüssig ist, ob wir wegen Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Pass oder Lebensweise voneinander getrennt sind, all das macht unbestritten einen Unterschied. So verschieden wir die tagtägliche Ausbeutung erleben, so haben wir doch eines gemeinsam: eine massive Verunsicherung unserer Existenzbedingungen. Die Zukunft wird für uns immer schwieriger zu planen.

Enteignung

Was wir als Prekarisierung und Verunsicherung erleben ist eine Enteignung. Mit dem Argument der Krise, in der Alle „den Gürtel enger schnallen“ sollen, greift der Staat unsere sozialen Rechte an. Zugleich wird die Politik der Umverteilung des von uns geschaffenen Reichtums von unten nach oben fortgesetzt: Auf der einen Seite pumpt der Staat immense Summen in Banken und Unternehmen und macht den Reichen immer neue Steuergeschenke. Auf der anderen Seite werden Renten eingefroren, die Gesundheitsvorsorge verteuert und verschlechtert, sowie der Zugang zur Bildungerschwert. Steigende Mieten vertreiben uns aus unseren Städten, steigende Preise im Nahverkehr machen es uns schwerer, am Leben teilzunehmen. Wir verweigern uns der Enteignung unseres Daseins, unserer lebendigen Arbeit und unserer Kreativität! Wir fordern soziale Rechte für alle – dazu gehört materielle Absicherung ebensowie ein selbstbestimmtes Leben!

Aneignung

Unsere Antwort auf diese Enteignung heisst praktische Aneignung. Das bedeutet für uns, dass wir nicht bereit sind auf unsere alltäglichen Bedürfnisse zu verzichten, weil wir sie uns nicht leisten können. Wenn wir können, klauen wir im Supermarkt oder im Büro, fahren wir schwarz oder feiern krank, bummeln wir bei der Arbeit. So erobern wir uns ein Stück Leben zurück. Diese individuellen Antworten reichen uns aber nicht: Wir wollen uns gegenseitig in unseren Alltagskämpfen unterstützen. Wir wollen gemeinsam streiken,und dabei nicht bei tariflichen Auseinandersetzungen stehen bleiben. Wir wollen gemeinsam Behörden besetzen. Wir wollen gemeinsam neue Kampfformen entwickeln.

Wir kämpfen für freie Bildung, freien Wohnraum, Kinderbetreuung für alle. Wir kämpfen für höhere Löhne und gegen Entlassungen. Wir kämpfen für die gesellschaftliche Teilhabe von uns Allen, ob mit oder ohne Behinderungen. Wir kämpfen für Selbstbestimmung, auch im Alter oder wenn wir auf Hilfe angewiesen sind.Wir kämpfen für ein Bleiberecht und dass wir leben können wo wir wollen.Wir wollen öffentliche Räume, in denen Kommunikation und kulturelles Leben keine Frage des Geldbeutels ist. So nehmen wir uns den öffentlichen Raum mit Demos oder Besetzungen.

Es liegt also an uns eine Bewegung ins Rollen zu bringen, die die Enteignung unseres Lebensaufhält und gleichzeitig schon die Grundlagen für viel mehr entwickelt: Für Selbstorganisation und Basisdemokratie, für die Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums, für ein Leben und Arbeiten jenseits der zerstörerischen Logik des Kapitalismus. Wir wollen konkrete soziale Kämpfe entwickeln, die an unsere alltäglichen Lebensbedingungen anknüpfen. Unsere Kämpfe verstehen wir als Teil einer Bewegung gegen Ausbeutung und Unterdrückung weltweit. Solange wir in einer Gesellschaft leben, in der es Besitzende und Nicht-Besitzende gibt; in der die Produktion auf Profit ausgerichtet ist und nicht an den Bedürfnissen aller Menschen, solange werden wir gemeinsam für ein besseres Leben kämpfen müssen!

Kapitalismus ist nicht reformierbar – soziale Kämpfe entwickeln!

Das Plenum für soziale Kämpfe ist ein offenes Treffen. Gemeinsam wollen wir unsere sozialen Kämpfe aufgreifen und ausbauen. Ihr seid herzlich eingeladen, Euch daran zu beteiligen. Unsere nächsten Treffen sind am Do. 6.5. und Do. 20.5 jeweils um 19:00 in der Ligsalzstr. 8 (München). Du erreichst uns unter
soziale-kaempfe-muenchen[at]riseup.net

Kommt am 30.4 zur antikapitalistischen Abenddemo „Les monde est a nous – für ein ganzanderes Ganzes.“18:00, Rosenheimer Platz
Kommt am 1. Mai zur Gewerkschaftsdemo, 10:00 vor dem Gewerkschaftshaus (Schwanthalerstr.) Wir sind die mit den riesigen Sprechblasen.

„Im Anfang ist der Schrei. Wir schreien.Angesichts der Verstümmelung des menschlichen Lebens durch den Kapitalismus, ein Schrei der Trauer, ein Schrei des Entsetzens, ein Schrei des Zorns, ein Schrei der Verweigerung: NEIN.“…“
Der Schrei klammert sich an die Möglichkeit der historischen Offenheit, er weigertsich die Möglichkeit eines radikalen Andersseins auszuschließen. Der Schrei des Zorns, der aus Erfahrungen der Gegenwart hervorgeht, trägt eine Hoffnung, die Projektion einesmöglichenAndersseins in sich.“(John Holloway: „Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen“)